Zwergenkönig Goldemar auf Burg Hardenstein

Zwergenkönig Goldemar auf Burg Hardenstein

Foto: Bäuerliches Picknick © M.Dörr & M.Frommherz​, fotolia.com

Burg Hardenstein ist einer der romantischsten Adelssitze Westfalens in Witten-Herbede und hat eine traurige Geschichte erlebt:

Vor mehr als 600 Jahren wohnte hier Zwergenkönig Goldemar. Bei Tisch konnte man sein Schlürfen und Schmatzen hören, aber sehen konnte ihn niemand. Und auch sein Pferd im Stall konnte man lediglich hören, aber nicht sehen. Solange der Zwerg auf der Burg war, waren die Fässer voller Wein, die Speisekammern zum Bersten gefüllt und vor Feinden warnte er rechtzeitig.

Ein Küchenjunge wollte unbedingt wissen, wess‘ Gestalt Goldemar war und er wusste, dass dieser nachts in die Burgküche ging, um zu essen. So streute der Junge Mehl und Erbsen auf die Stufen, damit der Zwerg falle und seine Gestalt durch das Mehl sichtbar werde.

Schlag Mitternacht hörte er einen Aufschrei – Goldemar war über die Erbsen gestolpert und zu Boden gefallen. Der Küchenjunge sprang hervor und der Zwergenkönig schnappte ihn. Er war rasend vor Wut, riss ihn in Stücke und kochte ihn anschließend in den Töpfen der Burgküche. Er verspeiste ihn in seinem Turmzimmer, das bis heute „Goldemar`s Kammer“ heißt, unter den Klängen von Musik. Niemand getraute sich, dem Einhalt zu gebieten, da jeder große Furcht hatte.

Burgherr Neveling nahm sich am Morgen ein Herz und ging zu Goldemar’s Kammer. Was dort über der Tür stand, ließ ihn erschauern: »Burg Hardenstein soll künftig so unglücklich sein, wie sie vormals glücklich gewesen ist, und all ihr Gut soll zerrinnen, solange nicht drei Generationen derer von Hardenberg zugleich am Leben sind!«

Aber niemals danach lebten Großvater, Vater und Sohn gleichzeitig in der Burg und so starb schon vierzig Jahre nach dem Fluch im Jahre 1439 das männliche Geschlecht derer von Hardenberg aus. Die einst so edle und reiche Burg zerfiel zu der heute noch bestehenden Ruine. Zwergenkönig Goldemar aber wurde niemals mehr dort bemerkt.

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