Die Wittenwiwerkuhle – Sage mit Spuren bis heute

Die Wittenwiwerkuhle – Sage mit Spuren bis heute

Foto: Arnsberg Schlossruine © Thomas Reimann, REIMEDIA

Eines Abends wurde die Frau des Bauern Thiem-Hof (Thiemann) aus Riemke von zwei Witter-Wiwern, weiße Frauengeister des Tippelberges, aus der Stube geraubt und ihre Höhle verschleppt. Sie drohten ihr an, sollte sie jemals einen Fuß vor die Höhle setzen, ihr den Hals zu brechen. Am schlimmsten traf sie, dass sie ihre geliebten Kinder nicht sehen konnte. Sieben lange Jahre musste die arme Bäuerin dies schwere Schicksal ertragen.
Einmal, als die Witten-Wiwer ausgegangen waren, trat sie nach draußen. Kaum im Freien, war die Macht der Witten-Wiwer über sie erloschen. Sie erkannte, dass sie unweit der Hofstatt ihres Mannes war.

Der Bauer aber hatte eine andere geheiratet. So traf die Frau die Trauer hart, als sie auf den Hof kam. Sie setzte sich traurig an den Herd. Ihre geliebten Kinder erkannten sie sofort, wollten sie umarmen. Die neue Frau aber mahnte sie, von dem Bettelweibe zu lassen. Genau da kam der Bauer herein und erkannte die für tot gehaltene Frau. Er behielt sie neben der Neuen und sie lebten gemeinsam auf dem Hofe.
Zum Dank für ihre Rückkehr spann die Bäuerin nach einem schweren Tagwerk Garn für zwei Altardecken, die sie dann dem Kapellchen zu Eickel bei Herne stiftete. Wenig später verstarb sie.

Auf der Suche nach der Wittenwiwerkuhle findet man den alten Tappe-Tiemann-Hof. Die Namensähnlichkeit ist verblüffend. Angeblich war hier eine Quelle, bis diese zugeschüttet und der Aushub des U-Bahn-Baus hier gelagert wurde. Fährt man die A43 sieht man von Weitem den lehmbraunen Berg aus Erde.

Bemerkenswerterweise leitet sich der Name Tiemann von „Op dem Thy“, dem „Thing“ ab, einer germanisch-heidnischen Versammlungsstätte. Wahrscheinlich lag dieser Thing-Platz an der Stelle des Hofes Tiemann, der zur damaligen Zeit in der Dorfmitte von Riemke lag. Zudem wurde der Hof fast ringförmig von einer Straße umrahmt, was ebenfalls für die Theorie der ehemaligen Thingstätte spricht.

Bildnachweis:

  • Arnsberg Schlossruine: © Thomas Reimann, REIMEDIA