Der unerbärmliche Bäcker aus Dortmund

Der unerbärmliche Bäcker aus Dortmund

Foto: Bäcker © Fotolia, Stefan Körber

Vor unzähligen Jahren lebte zu Dortmund ein Bäcker, der in der Kirche der Frömmste war und doch durch Kornaufkäufe und Wucher zu riesigem Vermögen kam, was er Säcken im Keller hortete. Bedürftige erhielten nie mehr als einen schimmeligen Brotkanten.

Nach einer üblen Pest, als das Korn teuer war, buk er seine Brote kleiner und ließ selbst die Armen teuer zahlen. Seine vollen Speicher hütete er und hoffte, die Preise werden im Winter auf das Doppelte ansteigen.

Eines Tages kam ein mageres Lumpenweibe und bat um ein Stück Brot. Es war seine eigene Schwester, die er nicht erkannte. Mit flehender Stimme rief das Weib seinen Taufnamen und bat, sie vor dem Hungertod zu schützen. Mürrisch gestand er ihr ein Plätzchen in der Hundehütte zu und gab ihr etwas steinharten Brotes, von dem sie aber nicht abbeißen konnte und kraftlos zusammensank. Der Bruder ließ sie einfach liegen. Sie wäre gestorben, hätte nicht eine Magd sie durch Bier und Brot wieder erweckt. So kroch die Frau in die Hütte und flehte Gott um Erlösung an, der sie erhöhte.

Am nächsten Tag brach ein Aufruhr aus. Die Ärmsten stürmten aus Not die Häuser der Reichen. Der Bäcker aber flüchtete sich mit Brot und Wasser in den Keller zu seinen Geldsäcken. Als er Stunden später hungrig ward und in sein Brot biss, war dieses zu Stein geworden. Verzweifelt wollte er seinen Kopf an den Mauern zerschmettern und so seinem Leben ein Ende machen. Aber das gelang nicht, er stürze in Ohnmacht zu Boden. Als er erwachte, plagten ihn schauerlicher Hunger und Durst und er hörte das Geschrei des elenden Volkes.

Inmitten seiner Reichtümer hauchte er am Abend unter Qualen seinen Geist aus. Später fand man den Geizigen mit verzerrten Gesichtszügen auf seinem Gelde liegen. Mangels Erben fiel sein ganzer Besitz an die Stadtkasse Dortmund.

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