Der Riese als Knecht

Der Riese als Knecht

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Der Hüne auf dem Halderner Berg hatte mehrere Söhne und einer davon war neu in Diensten des Edlen von der Horst zu Haldern.
Als er misten sollte, war die Forke zu klein und er ließ eine riesengroße Mistgabel herstellten, sodass mit einem Hub der ganze Stall sauber ward. Der Edle war hoch erfreut. Beim Pflügen schob der Riese den Pflug mit der Hand, da die Pferde zu langsam waren. So sagte der Herr: „Die Pferde sind zum Ziehen vor dem Pflug.“ Der junge Riese aber antwortete: „Die Pferde sind nur Zierwerk.“ Auch das erfreute den Herrn.

Beim Mittagessen erschrak der Edle, als er sah, dass der junge Riese für zehn aß. Und nun wollte er ihn schnell wieder los sein. Die Knechte sollten Holz vom Berg holen und wer als letztes zurück auf den Hofplatz komme, der solle gehen. Die Knechte fuhren schon vor dem Hahnenschrei los. Etliche Stunden später ward auch der Riese wach und stellte erschrocken fest, dass die anderen bereits auf dem Berg waren. So jagte er die Pferde bergauf und oben sah er, dass ein jeder schon sein Holz geschlagen hatte. Der Riese riss seine Bäume aus und warf sie mit dem Wurzelwerk auf den Wagen.

Aber sein Fuhrwerk war zu schwer für die Pferde. Der Riese band die Tiere zusammen und legte sie über den Fuder. Mit dem kleinen Finger im Loch der Deichsel zog er zum Hofe. Da aber das Tor zu klein für seine Fuhre war, schob er sie mit Gewalt auf den Hofplatz und mit ihr das gesamte Portal.

Der Herr bat, der Riese möge den Hof verlassen. Dieser antwortete : „Ich werde dir einen Hieb geben, kannst du den verkraften, gehe ich!“ Der Hieb lies den Herrn in die Wolken fliegen aber der Wind verfing sich im Mantel und brachte ihn behutsam zur Erde. Sodann zog der Riese friedlich davon.

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