Jungfer Eli

Jungfer Eli

Foto: Residenzschloss Münster © Blacky, fotolia.com

Vor vielen Jahren lebte im Stift Frenkenhorst im Münsterland eine fromme Äbtissin mit ihrer Haushälterin, der Jungfer Eli, die so geizig war, dass sie Hausglocke festband, damit keiner um Almosen betteln konnte.

Als Jungfer Eli todkrank war und der Pfarrer geholt wurde, lag sie in ihrem Bett und war böse wie immer und wollte nichts vom Pfarrer hören. Sie drehte sich zur Wand und starb. Bald danach begann sie in der Abtei zu spuken.

Einmal fuhr sie zwischen die Mägde in der Küche beim Bohnenschnippeln und schrie: »Schniet ju nich in de Finger, schniet ju nich in de Finger!« Oder sie blockierte den Weg. Sagten die Mägde dann: »In Gottes Namen, gah wieder her«, ließ sie sie vorbei und zeigte ihnen eine herrliche Torte wobei sie sagte: »Tart! Tart!« Bevor eine der Mägde sie greifen konnte, warf Eli die Torte lachend auf den Boden, wo sie zu einem stinkenden Kuhfladen wurde.

Einmal auf dem Weg nach Warendorf hielt Eli den Wagen der Äbtissin an und wollte einsteigen. Die Äbtissin sagte: »Ich hab nichts zu tun mit dir; hast du schlecht getan, so wars nicht mein Wille.« Um Jungfer Eli loszuwerden, warf sie einen ihrer Handschuhe aus dem Wagenfenster und hieß diese, ihn aufzuheben. Sobald sie ihn aufhob, sprach die Äbtissin zum Fahrer: »Fahr, so schnell du kannst, selbst wenn dabei die Pferde zugrunde gingen!«

In Warendorf bat die Äbtissin die Geistlichen, Eli zu verbannen. Trotz Anrufens wollte diese aber nicht erscheinen nur eine Stimme rief: »He kickt, he kickt!« Die Geistlichen suchten darauf nach jemandem, der sich in der Kapelle versteckte und fanden einen Jungen, welcher lauschte. Nachdem dieser entfernt war, erschien Jungfer Eli und wurde in einen Wald im Münsterland, die Davert, wohin alle Gespenster geschickt werden, verbannt. Aber einmal im Jahr erscheint Jungfer Eli in der Abtei Frenkenhorst und zerschlägt mit Gebraus die Scheiben.

mündliche Überlieferung aus dem Münsterland

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