Die Geschichte um den Namen der Haferstraße in Lemgo

Die Geschichte um den Namen der Haferstraße in Lemgo

Foto: Hafer © Timmary, fotolia.com

Es begab sich im Jahre 1675, da der Bischof Bernhard von Galen aus Münster die Stadt Lemgo belagerte. Seine Getreuen konnten aber die gut befestigte Stadt nicht einnehmen. Dies machte die Lemgoer so schalkhaft und übermütig, dass sie unbedingt den Bischof ärgern wollten. Sie wählten einen guten Ochsen aus, der zeigen sollte, wie gut es ihnen doch in der belagerten Stadt gehe, und banden zwischen seinen Hörnern sorgfältig eine Tafel mit einer Inschrift fest. Diese Schrift lautete: „So wenig der Ochse kann lernen das Singen, kann Bernhard von Galen Stadt Lemgo bezwingen.“

Ob dieser Freveltat geriet der münstersche Bischof derart in Rage, dass er anordnete, die Stadt zu erobern und zu schleifen, als dass sie dem Erdboden gleichgemacht werde und sodann an ihrer Stelle Hafer angebaut werde. So lautete die Order an die Soldaten. Der ergrimmte Bischof leistet den Schwur, nicht eher zu ruhen, bis an Lemgos Stelle Hafer wüchse.

Es dauerte nicht lange, da bezahlten die übermütigen Lemgoer ihren Streich teuer. Die Stadt wurde trockengelegt. Die Soldaten des Bischofs leiteten das Wasser der Bega, das die Stadt Lemgo mit dem lebenswichtigen Nass versorge, um und riegelten die Stadt so ein, dass keine Lebensmittel mehr hineingebracht werden konnten. Aufgrund der schnell entstehenden Hungersnot mussten sich die Lemgoer dem Bischof, der geschworen hatte, Lemgo dem Erdboden gleichzumachen und Hafer zu säen, ergeben.

Da er aber ein gottesfürchtiger Mann war, erhöhte er das Flehen der Bewohner und nahm Abstand von der geschworenen bitteren Rache für den üblen Streich. Um aber vor Gott nicht als Lügner dazustehen und seinen Schwur zu halten, ließ er das Pflaster einer Straße entfernen und auf der nun offenen Erde Hafer aussäen. Noch heute trägt sie den Namen „Haferstraße“ zum Andenken an den Streich und den Schwur des Bischofs Bernhard von Galen aus dem Jahre 1675.

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