Die große Glocke vor dem Bochumer Rathaus und ihre Geschichte

Die große Glocke vor dem Bochumer Rathaus und ihre Geschichte

Foto: Rathaus Bochum © Fotolia, Adrian v. Allenstein

Alfred Krupp schäumte vor Wut. Da wagte es dieser hergelaufene Schwabe Jacob Mayer zu behaupten, er hätte einen Weg gefunden, Stahl zu gießen! Hatte er nicht alles getan, um die Umwandlung der Gussstahlfabrik Mayer & Kühne in eine Aktiengesellschaft zu verhindern und Investoren davon zu überzeugen, sie würden ihr Geld in den Sand setzen? Und jetzt begann dieser Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation, sich zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz zu entwickeln.

Stahl gießen20 statt in tagelanger Arbeit mühsam auszuschmieden? Er hatte jahrelang seine besten Leute darauf angesetzt, denn so ließe sich eine Kanone innerhalb kürzester Zeit herstellen. Vergeblich.

Und jetzt protzte dieser Mayer auf der Pariser Weltausstellung 1855 mit dreien seiner angeblichen Gussstahlglocken. Bekäme das preußische Militär davon Wind, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die bei Mayer nachfragen würden, ob man so auch Kanonen herstellen könnte, und zwar billiger als die Konkurrenz in Essen.

Krupp selbst soll mit einem Hammer die Glocken malträtiert haben, um zu beweisen, dass sie in Wirklichkeit aus Gusseisen seien. Der Kanonenkönig schimpfte Mayer in aller Öffentlichkeit einen Betrüger, bis der persönlich in Paris erschien, um eine der Glocken im Beisein des Preisrichterkollegiums zerschlagen zu lassen. Einige Bruchstücke davon ließ er ausschmieden – ein Beweis dafür, dass es sich keinesfalls um Gusseisen handeln konnte. Mayer bekam nicht nur den höchsten Preis der Weltausstellung, die Große Ehrenmedaille in Gold, sondern auch das Kreuz der Ehrenlegion vom Kaiser persönlich.

Wie zum Hohn präsentierte der Bochumer Verein auf der Weltausstellung 1867 eine noch größere Glocke – mit fünfzehn Tonnen Gewicht und knapp drei Metern Umfang seinerzeit die größte, die jemals gegossen worden war. Bis in die siebziger Jahre stand diese vor dem Torhaus 11 in Höntrop, bis der Rechtsnachfolger des Bochumer Vereins – ausgerechnet die Firma Krupp! – sie der Stadt Bochum schenkte, welche diese 1979 vor dem Rathaus aufstellen ließ.

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