Bochum und der letzte Kuhhirte

Bochum und der letzte Kuhhirte

Foto: Sauerland Kuhweide © HB Naturfotografie, fotolia.com

Die alte Bezeichnung Bochums, „Kaubaukum“, hatte die „Kau“ (Kuh) sogar im Namen: Was heute die zweitgrößte Stadt in Westfalen ist, war vor hundertfünfzig Jahren noch ein richtiges Kuhdorf. Die meisten der knapp 5.000 Einwohner waren Bauern. An diese Zeit erinnert unweit der Propsteikirche und direkt neben der Alten Apotheke das Kuhhirtendenkmal, das Bochums letztem Kuhhirten Heinrich Fritz Kortebusch gewidmet ist.

Wie ihre Vorgänger trieben Kortebusch und sein treuer Hund Bommel ab 1858 die Kühe und Ziegen der Bochumer auf die Weide. Alle ansässigen Bochumer hatten Weiderecht und durften dem städtischen Kuhhirten ihre Tiere anvertrauen. Morgens in aller Frühe zog Kortebusch durch die Stadt und blies in sein Horn, damit die Bürger ihr Vieh aus dem Stall holten. Dieses trieb er zunächst zum Saufen an den Gemeindebrunnen in der Trankgasse, die damals gegenüber der heutigen Arndtstraße lag.

Anschließend ging es über die Hohe Gate, heute untere Castroper Straße, auf das Vöde genannte Gemeindeland, das als Weide und Acker genutzt wurde. Dieses reichte im Westen von den Schmechtingswiesen an der Herner Straße über Stadtpark, Krümmede und Blumenfriedhof im Osten bis zur Stadtgrenze hinter dem heutigen Ruhrschnellweg. Abends gegen Sonnenuntergang ging es erst wieder zur Tränke und anschließend zurück in die Ställe. Und auch Kortebusch selbst ging nach getaner Arbeit gerne zur Tränke, allerdings ins nahe gelegene Brauhaus Rietkötter …

1870 stellte man den Weidebetrieb ein, da nur noch wenig Vieh gehalten wurde. Ein Teil der Vöde wurde 1878 zum Stadtpark umgestaltet. Als Kortebusch 1877 starb, war Bochum bereits sechsmal so groß wie zu Beginn seiner Hütetätigkeit. Zur Erinnerung errichtete man ihm 1908 auf dem Marktplatz an der Stelle des ersten Bochumer Rathauses ein Denkmal. Wie viele Kirchenglocken und die Figur des Engelbertbrunnens wurde auch dieses im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. 1962 stellte man eine Replik auf, etwas kleiner als die ursprüngliche Plastik und ohne die Pfeife, die beim Original aus der Manteltasche herausschaute.

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