„Bochum ist verrückt geworden.“ Der Hauptbahnhof wird verlegt

„Bochum ist verrückt geworden.“ Der Hauptbahnhof wird verlegt

Foto: Hauptbahnhof Bochum © myRegioGuide.org | Martin H. Brunsmann

Es kommt nicht oft vor, dass der Hauptbahnhof einer Großstadt verlegt wird. Aber genau das haben die Bochumer nach dem Krieg getan.

Nur noch wenige Leute wissen, dass der erste Hauptbahnhof am Anfang der Königsallee lag, am Ende des Bermudadreiecks und gut 650 Meter vom heutigen Bahnhof entfernt. Er wurde 1860 von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft erbaut, die damit in erster Linie den Bochumer Verein und die nahe gelegenen Zechen an das Eisenbahnnetz anschließen wollte.

Die Anlage des Bahnhofes belebte die Entstehung des neuen Stadtteils Ehrenfeld, und die Bahnhofstraße, heute Kortumstraße, wurde schnell zu Bochums Hauptgeschäftsstraße. Aber das rasante Wachstum machte den alten Hauptbahnhof bald zu klein. Eingequetscht zwischen Königsallee und den beiden Bahnlinien an der Südspitze des Gleisdreiecks waren praktisch keine Erweiterungsmöglichkeiten vorhanden.

Wie die gesamte Innenstadt wurde auch der Bahnhof im Zweiten Weltkrieg von alliierten Bomben zerstört. Bochums Stadtplaner machten aus der Not eine Tugend und bauten ihn ab 1954 mit Gleisen und Stellanlagen an einer verkehrstechnisch günstigeren Stelle wieder auf, unmittelbar am Innenstadtring mit direkter Anbindung an die aus der Stadt herausführenden Wittener und Wiemelhausener Straße (heute Universitätsstraße). Dort konnten auch ein neuer Busbahnhof wie auch Straßen- und U-Bahnen an den Fernverkehr angeschlossen werden.

Für den Bau des neuen Hauptbahnhofes wurden der alte jüdische und Teile des christlichen Friedhofes vor dem ehemaligen Buddenbergtor verlegt – als Rest blieb der heutige Kortumpark erhalten. Ebenso mussten die Ruinen der Scharpenseelschen Brauerei in der damaligen Trankgasse und die Finkengasse nebst einer Reihe von Kleingärten den Bauarbeiten weichen. Auf einer Länge von über zwei Kilometern wurden ein neuer, über vier Meter hoher Bahndamm aufgeschüttet und Gleise verlegt, ohne dass der laufende Zugverkehr unterbrochen werden musste – eine logistische Meisterleistung.

Die zwei Jahre zuvor begonnenen Bauarbeiten am neuen Bahnhofsgebäude wurden 1957 mit der feierlichen Eröffnung abgeschlossen. Architektonisch bedeutend ist die große Eingangshalle mit ihrem 600 Tonnen schweren, geschwungenen Stahlbetondach, das einen eleganten Kontrast zum funktionellen kastenförmigen Bahnhofsgebäude bildet.

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