Biertradition in Westfalen

Biertradition in Westfalen

Foto: Barkeeper zapft Bier © georgerudy, fotolia.com

Wasser schadet der Gesundheit. Heute Ausrede für ein gepflegtes Pils, bis vor hundert Jahren bittere Realität. Abwässer wurden nicht geklärt, und das Trinkwasser war oft mit Keimen belastet. Im Bier hingegen wurden viele Erreger durch den Alkohol abgetötet. Dementsprechend war Dünnbier mit niedrigem Alkoholgehalt nicht nur in Westfalen Standardgetränk für Mann, Frau und sogar Kinder.

Typisch westfälisch war das Scheerbier, das vor allem zur Getreideernte gebraut wurde. Dazu wurde gesäuerter Schwarzbrotteig in einem Fass mit Wasser fest verschlossen und einige Tage lang vergärt. Andere Dünnbiere wurden aus dem zweiten Sud des Trebers hergestellt, der zuvor für „Dickbier“ verwendet worden war, etwa das verbreitete Konventbier, das seinen Namen von den Klosterbrüdern erhalten hat.

Im Mittelalter waren westfälische Biere bei Fremden nicht sonderlich beliebt. Das sollte sich jedoch ändern, als die Braukunst vor allem in Dortmund, Münster und Paderborn deutlich verfeinert wurde.

Dortmund erhielt schon 1293 das Privileg zum Brauen von Grutbier. Als Braugetreide diente nicht Gerste, sondern Hafer, und anstelle des heute üblichen Hopfens wurde jede Menge Kräuter zugesetzt. Dazu gehörten vor allem Wilder Rosmarin, der namensgebende Grut, und Gagelstrauch, aber auch Beifuß, Schafgarbe, Thymian, Mädesüß, Kümmel, Wermut oder Fichtensprossen. Auch das giftige Bilsenkraut oder Stechapfel gehörten schon mal mit dazu. Eine leichte Milchsäuregärung machte dieses Bier leicht säuerlich, dafür aber auch länger haltbar.

1444 erhielten die Bäcker und Brauer von Hamm das Bierprivileg zum Brauen des Keutbieres. Dieses besonders hochwertige Bier auf Weizenbasis war im Mittelalter der Exportschlager der Stadt.

All die einheimischen Biere wurden im Laufe der Zeit von solchen aus Gerstenmalz und Hopfen verdrängt. Lediglich das obergärige Alt, das seine dunkle Farbe einem hohen Anteil Darrmalz zu verdanken hat, konnte sich bis heute behaupten. Früher war allerdings nicht Düsseldorf die Hochburg des Altbiers, sondern Münster mit zeitweise über hundert Brauereien.

In den 1960er Jahren war Dortmund mit über 7,5 Millionen Hektolitern jährlich unbestrittene Bierhauptstadt Europas. Noch heute liefert Nordrhein-Westfalen rund ein Viertel des in Deutschland hergestellten Bieres.

Bildnachweis:

  • Barkeeper zapft Bier: © georgerudy, fotolia.com