Bergmannsspargel und Schlabberkappes: Leckeres aus dem eigenen Garten

Bergmannsspargel und Schlabberkappes: Leckeres aus dem eigenen Garten

Foto: Schwarzwurzeln © Fotolia, Printemps

Was wäre das Ruhrgebiet ohne Schrebergärten und Gärten hinnerm Haus? Viele Familien, deren Väter in Bergbau und Stahlwerk arbeiteten, stammten ursprünglich aus ländlichen Gebieten. Was man selber anbaute, war fester Bestandteil des täglichen Speiseplanes, und so manches konnte man mit Nachbarn tauschen. Nicht mehr allzu viel musste bei Tante Emma oder auf dem Markt zugekauft werden. Besonders in Kriegszeiten konnte man im Gegensatz zu den Einwohnern anderer Großstädte auf eigenes Obst und Gemüse zurückgreifen.

Nache Maloche machte sich Vatter mit Schüppe und Pülleken Bier bewaffnet an den Beeten zu schaffen. Die Kinder freuten sich über frisch gepuhlte Erbsen und leckere Erdbeeren. Vor allem im Herbst waren Muttern und Ömaken den ganzen Tag damit beschäftigt, Kirschen und Stachelbeeren einzuwecken, Marmelade zu kochen oder die Äpfel aufs Winterquartier im Keller vorzubereiten. Für Sauerkraut lieh man sich einen Hobel, um die Kohlköppe fein zu schneiden und anschließend mit Salz in große Steinguttöpfe einzustampfen.

Der Garten gab alles her, was der Ruhrpottler noch heute gerne isst: Grünkohl mit Mettenden, dicke Bohnen mit Speck, Bergmannsspargel, Schlabberkappes …

Bergmannsspargel war wesentlich beliebter als „richtiger“ Spargel. Denn Schwarzwurzeln brauchten kein Bohei mit Hügelbeeten und lieferten selbst im tiefsten Winter lecker Gemüse, das nach dem Ausbuddeln in Zeitungspapier eingewickelt wochenlang im Keller aufbewahrt werden konnte. Wenn die Schulkinder mittags nach Hause kamen, sahen sie schon an Mamas braun gefärbten Fingern, dass es Schwarzwurzeln geben würde. Heute empfiehlt man Handschuhe. Mutti hätte damals gesagt, ich will kochen und nicht operieren …

Ähnlich beliebt war der Schlabberkappes, den es vor allem im Herbst zur Kohlernte gab. Dazu wurden Schweinebauch, „Ärpel“ (Kartoffeln) und Zwiebeln angebraten, darüber kam geschnittener Weißkohl. War der etwas zusammengefallen, wurde umgerührt, weiterer Kohl zugegeben und etwas Brühe. Und immer so weiter. Mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt war der Kohl nach einer halben bis drei viertel Stunde richtig schön schlabberig weich und bereit zum Servieren.

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